Lernen in der Chemie

Beim Lernen stellt sich immer die zentrale Frage nach der Motivation. Warum lerne ich das? Warum ist es wichtig? Wobei hilft es mir? Welche Probleme kann ich damit lösen? Was möchte ich erreichen?

Wenn man Chemie lernst, erwirbst man die Fähigkeit, die unsichtbaren Prozesse zu entschlüsseln, die alles steuern – vom Backen eines Kuchens bis hin zur Entwicklung neuer Medikamente oder nachhaltiger Energieträger. Es hilft dir, komplexe Probleme rational zu lösen: „Wie kann ich diesen Stoff synthetisieren?“ oder „Warum reagiert dieses Material so auf Umweltfaktoren?“. Das Ziel ist dabei weit mehr als nur eine gute Note, es geht um die Handlungskompetenz in einer technologischen Welt. Kann man die Frage nach der Motivation zum Lernen von Chemie positiv beantworten ist das eine gute Vorraussetzung Chemie zu studieren. 

Wie funktioniert der Lernprozess?

Wie lernt man eigentlich? Zur Beantwortung dieser Frage ist die Kategorisierung der Gedächtnisarten hilfreich. Beinahe ständig werden wir mit Reizen überflutet und das Filtern nach wichtigen Informationen wird im Ultrakurzzeitgedächtnis verarbeitet. Durch die Fokussierung auf die wichtigen Inhalte kann man sich mit einem Thema mehrere Minuten beschäftigen bis die Erschöpfung bzw. Sättigung eintritt und es nicht mehr interessant ist. Wiederholt sich die intensive Beschäftigung mit einem Thema so entsteht daraus eine Erfahrung, die im Langzeitgedächtnis ständig abrufbar ist.

Das Lernen ist bei jedem Menschen individuell und von vergangenen Erfahrungen abhängig. Durch dieses Modell können persönliche Problem analysiert und verbessert werden.

Wie kann das Lernen umgesetzt werden?

Chemie versteht man nicht durch bloßes Durchlesen. Echtes Wissen entsteht durch aktives Tun. Erst wenn du Informationen transformierst, verankern sie sich im Gedächtnis. Das kann bedeuten:

  • Das Erstellen einer strukturierten Zusammenfassung.

  • Das Zeichnen einer visuellen Übersicht (Mindmap) der Stoffgruppen.

  • Das Schreiben eines „Spickzettels“ (den man in der Prüfung natürlich nicht benutzt), um das Wichtigste auf den Punkt zu bringen.

Ein entscheidender Schritt ist die Erfolgskontrolle. Wissen ist erst dann sicher, wenn du es reproduzieren kannst. Nutze die „Lernen durch Lehren“-Methode: Versuche, ein Konzept einer anderen Person zu erklären oder simuliere eine Abfragesituation. Wenn du es einfach erklären kannst, hast du es wirklich durchdrungen.

Was uns langfristig motiviert, ist nicht die Nachtschicht vor der Klausur, sondern das Gefühl von stetigem Fortschritt. Chemie lernt man am besten in kleinen Wissenshäppchen. Regelmäßige, kurze Lerneinheiten verhindern das Gefühl der Überforderung und nutzen den Effekt der „Spaced Repetition“. [1] Die ständige Entdeckung von Neuheiten, wenn ein abstraktes Prinzip plötzlich Sinn ergibt, ist der Treibstoff, der dich langfristig am Ball hält.

Wiederholung effektiv gestalten

Das einfache Lesen und Anschauen des Lerninhalts ist eintönig. Es kann das Gefühl vermitteln den Sachverhalt verstanden zu haben. In einem Test können viele mögliche Fragestellungen auftauchen, auf die man flexibel reagieren muss. Dann entscheidet es sich, ob man das Thema wirklich verstanden hat. Vielleicht muss man das bekannte Wissen auf ein neues Thema anwenden, was den höchstmöglichen Schwierigkeitsgrad darstellt.

Das Ziel ist es daher die Lerninhalte ohne Hilfe wiederzugeben zu können. Das kann in einem schriftlichen Test ein weißes Blatt Papier sein oder in einem mündlichen Test die Aufnahme des Gesagten. Für die selbständige Gestaltung des Lernprozesses hat sich für mich im Studium der folgende Prozess etabliert.

  • Zusammenfassung aus einer Quelle erstellen (z.B. Vorlesung, Buch, …): man schreibt in eigenen Gedanken auf, was man verstanden hat
  • Fragenkatalog erstellen: entweder man nimmt direkt Prüfungsfragen oder denkt sich die Fragen selber aus (der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt, denn ein Prüfer könnte genauso denken)
  • Beantwortung der Fragen und Auswertung: es wird nur notiert wie gut man ist und bei welchen Fragen man Schwierigkeiten hat, zu einem späteren Zeitpunkt werden diese Fragen bevorzugt wiederholt
  • Das Wissen erweitern: Hier können schwierige Fragen intensiver betrachtet werden und das Wissen vertieft werden, in dem z.B. mehr Quellen hinzugezogen werden

Das Schema kann für Lerninhalte gut verwendet werden. Es gibt natürlich auch rechenlastige Fächer wie Mathematik oder Physik, wo man den Plan etwas modifizeren muss. So könnten z.B. Rechenvorschriften erstellt werden, wo man das Grundprinzip verstanden hat. Dann folgen die Rechenaufgaben in verschiedenen Variationen. Manchmal darf man sich z.B. „Spickzettel“ für die Prüfung erstellen oder ein Tafelwerk verwenden, das sollte man effektiv einsetzen, ohne dass man viel Zeit für das Suchen der Informationen verwendet. Im Studium kommen viele Inhalte zusammen, die Organisation der Informationen und ein Fokus ist daher wichtig. Entscheidend ist, wie man mit möglichst wenig Zeit zum Ziel kommt.

Chemie studieren

Im Folgenden werden Eigenschaften genannt, die man mitbringen sollte um Chemie an einer deutschen Hochschule oder Universität erfolgreich zu studieren. Die Abbrecherquoten können hoch sein, da diesen Studium sehr individuell ist und eine hohe Motivation erfordert. Man wird auf die Probe gestellt, ob man wirklich an Chemie interessiert ist und gewillt ist dieses Wissen zu erweitern. Am Ende warten spannende Tätigkeitsfelder auf einen.

  • Ausdauer und Disziplin: Für lange Labortage und die Bereitschaft etwas Freizeit zu opfern
  • Neugier: Erschließeung neuer Themenfelder und Verknüpfung mit bekanntem Wissen
  • Kreativität: Ist wichtig im bei praktischen Problemen voranzukommen
  • Risikobewusstsein und Mut: Es wird mit gefährlichen Stoffen hantiert, das sollte verantwortlich passieren aber auch ohne Scheu

Es bleibt die Wissenschaft mit dem höchsten Einfluss auf die Gesellschaft! Im Bereich der Materialien hat die Chemie einen hohen Anteil an Neuentwicklungen. Im Bereich der Umweltwissenschaften oder der Medizin kann das Leid der Menschheit reduziert werden.

Open Acess Forschungsliteratur

Chemie Ingenieur Technik (deutsch)

Fraunhofer-Magazin (deutsch)

Nachrichten aus der Chemie (deutsch)

Nature Communications (englisch)

Nature Batteries (englisch)

Quellen
[1] www.studysmarter.de/schule/psychologie/forschung-der-gedaechtnis/vergessenskurve/