Die Persönlichkeit ist im Arbeitsalltag wie ein unsichtbares Betriebssystem: Sie bestimmt, wie wir Informationen verarbeiten, mit Stress umgehen und wie wir mit Kollegen interagieren. Ein häufig verwendetes Modell zur Erklärung der Persönlichkeit und Verhaltensweisen ist das Big Five Modell.
1. Big Five Modell
Es charakterisiert die Ausrichtung in den Kategorien Offenheit für Neues, Gewissenhaftigkeit (Sorgfalt und Disziplin), Extraversion (Geselligkeit und Durchsetzungsfähigkeit), Verträglichkeit und Kooperationsbereitschaft, sowie Neurotizismus (emotionale Stabilität). Im Englischen wird es als OCEAN bezeichnet, was als Abkürzug steht für openess, conscientiousness, extraversion, agreeableness und neuroticism.
1.1 Gewissenhaftigkeit: Arbeitsstil und Zuverlässigkeit
- Hoch: Jemand arbeitet strukturiert, hält Deadlines ein und legt Wert auf Detail
- Gering: Jemand ist eher spontan und chaotisch, was in kreativen Krisensituationen helfen kann. Es führt aber oft zu Reibungspunkten bei Routineaufgaben.
1.2 Extraversion und Verträglichkeit: Teamdynamik und Kommunikation
- Extravertierte laden ihre Batterien durch Austausch auf. Sie denken oft laut und dominieren in Meetings.
- Introvertierte arbeiten lieber konzentriert für sich und liefern meist tiefgründig durchdachte Ergebnisse, halten sich aber in großen Gruppen eher zurück.
- Verträgliche Menschen agieren als Mediatoren und suchen Harmonie.
- Personen mit geringer Verträglichkeit sind hingegen oft kritischer und scheuen keine Konfrontation, was bei der Fehlersuche wertvoll sein kann.
1.3 Neurotizismus: Umgang mit Stress und Druck
- Emotional stabil: diese Person bleibt in Krisen ruhig und wirkt felsenfest
- Empfindsam: diese Person reagiert sensibel auf Kritik und Zeitdruck. Sie erkennt Risiken oft früher, laufen aber eher Gefahr, auszubrennen oder sich durch Rückschläge entmutigen zu lassen.
1.4. Offenheit: Innovation und Veränderung
- Hoch: Mitarbeiter lieben neue Tools, Methoden und Veränderungen. Sie sind die Treiber für Innovationen.
- Gering: Diese Personen schätzen Bewährtes und Stabilität. Sie sorgen dafür, dass funktionierende Prozesse nicht leichtfertig über Bord geworfen werden.
2. Selbstbeobachtung im Arbeitsalltag
- Engergie: Laden Meetings meine Batterien auf oder brauche ich danach Ruhe (Extraversion/Intraversion) ?
- Struktur: Fühle ich mich bei einer To-do-Liste sicher oder eingeengt (Gewissenhaftigkeit) ?
- Konflikte: Habe ich das Bedürfnis, sofort die Wogen zu glätten oder ist mir die sachliche Korrektheit wichtiger (Verträglichkeit) ?
- Stress: Wie lange grüble ich nach einer kritischen Mail (emotionale Stabilität) ?
3. Reflexion von Peak – Momenten
Denken Sie an ihre zwei größten Erfolge und ihre zwei frustrierendsten Momente im Job.
- Bei den Erfolgen zeigt sich oft ihre natürliche Stärke (z.B. Ich habe das Chaos strukturiert – Gewissenhaftigkeit)
- Beim Frust zeigt sich oft ein Wert oder Persönlichkeitsausprägung, die verletzt wurde. (z.B. die ständigen Änderungen haben mich genervt – Bedürfnis nach Beständigkeit)
4. Homeoffice und Heimarbeit
Im Homeoffice oder bei der Arbeit im Haushalt fallen viele äußere Strukturen weg (feste Pausenzeiten, soziale Kontrolle durch Kollegen, räumliche Trennung). Dadurch tritt die eigene Persönlichkeit sogar noch stärker und ungefilterter zu Tage. Hier zeigt sich, wie die verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale (Big Five) diese Situationen beeinflussen.
4.1 Gewissenhaftigkeit
Dies ist der entscheidende Prädiktor, wie gut jemand im Homeoffice zurechtkommt.
- Hoch: Dise Personen schaffe nsich selbst eine Struktur. Sie ziehen sich morgens an, als würden sie ins Büro gehen, führen akribische To-do-Listen und arbeiten konzentriert, auch wenn niemand zuschaut.
- Niedrig: Hier lauert die Prokrastination. Ohne den Blick des Chefs fällt es schwer, die Wäsche oder Netflix zu ignorieren. Diese Personen brauchen oft externe Hilfe (z.B. Zeitmanagement- Apps), um nicht den Fokus zu verlieren.
4.2 Extroversion vs. Introversion
- Extravertierte: Sie leiden im Homeoffice oft unter sozialem Hunger. Der fehlende Flurfunk und der Kaffee mit den Kollegen rauben ihnen Energie. Sie neigen dazu, im Haushalt eher zu telefonieren oder Sprachnachrichten zu schicken, um die Stille zu füllen.
- Intovertierte: Für sie ist das Homeoffice ein Segen. Die Abwesenheit von Ablenkungen durch Großraumbüros führt zu einer massiven Steigerung der Produktivität. Sie blühen auf, wenn sie tief in eine Aufgabe eintauchen können.
4.3 Emotionale Stabilität
- Gering: Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. Diese Personen neigen dazu, im Homeoffice immer im Dienst zu sein, weil sie sich Sorgen machen, man könnte denken, sie würde nicht genug tun. Es fällt ihnen schwerer, nach Feierabend abzuschlaten, wenn der Laptop noch auf dem Küchentisch steh.
- Hoch: Sie können klare Grenzen ziehen: (Jetzt ist Feierabend) und lassen sich weniger davon stressen, wenn der Haushalt mal nicht perfekt ist, während sie arbeiten.
4.4 Offenheit führ Erfahrungen
- Hoch: Diese Menschen nutzen die Freiheit im Homeoffice, um neue Arbeitsmethoden auszuprobieren, ihren Arbeitsplatz kreativ zu gestalten oder Pausen für inspirierende Tätigkeiten zu nutzen.
- Gering: Sie bevorzugen eine strikte Nachahmung des Büroalltags zu Hause. Veränderungen im Ablauf (z.B. ein neues digitales Kollaborationstool) werden eher als störend empfunden.
